Finanzierungsmöglichkeiten für die Pflanzenforschung - ein Panorama für die Schweiz
Die Schweiz ist eines der wirtschaftlich innovativsten Länder Europas, siehe auch European Innovation Scoreboard 2009. Das innovative Potential der Schweiz ist auf den speziell grossen Anteil kleiner und mittelgrosser Unternehmen zurück zu führen.
Obwohl nicht Mitglied der EU, engagiert sich die Schweiz als assoziiertes Land im EU Forschungsrahmenprogramm (FP). Dieses Engagement wird von den Schweizer Forschenden sehr positiv bewertet. Sie stellten übrigens 2.6% aller Teilnehmenden im 6. Forschungsrahmenprogramm. Für das sieben Jahre dauernde FP7 hat die Schweiz 1.4 Milliarden Euro beigesteuert. Auch für COST (Europäische Zusammenarbeit auf dem Gebiet der wissenschaftlichen und technischen Forschung) hat die Schweiz für die Periode 2008 - 2011 rund 19 Millionen Euro bereitgestellt.
Hochschullandschaft Schweiz
In der Schweiz gibt es drei Typen von Hochschulen: Die Eidgenössischen Technischen Hochschulen, die kantonalen Universitäten sowie die Fachhochschulen.
Der Bund ist verantwortlich für die Eidgenössischen Technischen Hochschulen (ETH) - ETH Zürich und ETH Lausanne - sowie für vier Forschungsanstalten, darunter auch die Eidgenössische Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft (WSL). Weiter existieren 10 kantonale Universitäten und acht Fachhochschulen.
Das Bundesamt für Landwirtschaft unterstützt zudem die landwirtschaftliche Forschung an zwei Instituten: Agroscope (angewandte landwirtschaftliche Forschung an drei verschiedenen Standorten in der Schweiz) sowie dem Forschungsinstitut für biologischen Landbau (FiBL) in Frick (AG).
Förderagenturen
28% der Bruttoinland-Ausgaben für Forschung und Entwicklung werden in der Schweiz für Universitäten und Grundlagenforschung ausgegeben. Gemessen am internationalen Standard bewegt sich die Schweiz damit zwar im Mittelfeld, investiert aber immer noch mehr in die Wissenschaften als die USA.
Die Finanzierung von Grundlagenforschung und anwendungsorientierter Forschung (Technologietransfer) obliegt hauptsächlich dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF), respektive der Kommission für Technologie und Innovation (KTI). Diese Institutionen spielen eine wichtige Rolle in der strategischen Planung und Ausgestaltung der Forschung und Innovation in der Schweiz.
Finanzierung durch den Schweizerischen Nationalfonds
Der Schweizerische Nationalfonds (SNF) unterstützt Grundlagenforschung aller wissenschaftlicher Disziplinen. In erster Linie geschieht dies in Form von projektbezogener Finanzierung oder durch die Unterstützung der individuellen Forschenden, resp. deren Projekte.
Jedes Jahr erhalten mehr als 7000 Forschende finanzielle Mittel vom SNF. Dabei sind mindestens 5000 Forschende maximal 35 Jahre alt. Der SNF akzeptiert Anträge für Projektfinanzierung im Bereich der Grundlagenforschung jeweils am 1. April und am 1. Oktober.
Der SNF unterstützt Forschungsprojekte im Rahmen zweier grosser Forschungsprogramme, dem Nationalen Forschungsprogramm (NFP) und den nationalen Forschungsschwerpunkten (NFS). Beide Programme stellen finanzielle Mittel für koordinierte Forschungszusammenarbeit zur Verfügung. Das Ziel der Forschungsprogramme des SNF ist es, die Schweizer Forschungsstrukturen zu verbessern und damit die Position auf strategisch wichtigen Gebieten zu stärken. Sehr wenige dieser Programme sind für länderübergreifende Bewerbungen offen.
Als Beispiel für ein NFP Projekt sei das NFP59 erwähnt: Nutzen und Risiken der Freisetzung gentechnisch veränderter Pflanzen. Darin involviert sind 29 Projekte, welche den Nutzen sowie die Risiken genetisch veränderter Pflanzen unter den ökologischen, sozialen, wirtschaftlichen, gesetzlichen sowie politischen Voraussetzungen in der Schweiz betrachten.
Der NCCR Plant Survival ist ein anderes Beispiel für die Finanzierungstätigkeit des SNF. Der NCCR Plant Survival besteht aus einem interdisziplinären Netzwerk, das die Interaktionen von Pflanzen mit ihrer Umwelt erforscht. Dabei werden natürliche wie auch landwirtschaftliche Systeme untersucht.
SystemsX.ch ist ein vom SNF finanziertes nationales Forschungsprogramm auf dem Gebiet der Systembiologie, welche Organismen als Ganzes verstehen will. SystemsX.ch unterstützt wiederum finanziell Projekte, die sich Themen der Systembiologie widmen. Nach drei Bewerbungsaufrufen wurden seit 2008 mehr als 75 SystemsX.ch projekte ins Leben gerufen. Dazu zählen 14 so genannte large integrated research projects (RTDs), 40 Studentenprojekte (IPhDs), 21 Pilotprojekte (IPPs), und sechs Bridge-to-Industry projects (BIP).
Das Ambizione Programm des SNF richtet sich an junge Forschende, welche ihr Doktorat innerhalb der vergangenen fünf Jahre erhalten haben und ein Forschungsprojekt an einer Schweizer Universität oder ETH durchführen wollen. Das Programm steht auch Schweizer Forschenden offen, welche sich im Ausland befinden oder von einem Auslandaufenthalt zurückgekehrt sind. Es können sich aber auch ausländische WissenschaftlerInnen bewerben, welche ein Forschungsprojekt in der Schweiz durchführen möchten. Bevor ein Antrag eingereicht werden kann, müssen die BewerberInnen eine Bestätigung der Gastinstitution vorlegen, dass sie für die Dauer des Forschungsprojektes von der entsprechenden Institution aufgenommen werden. Die Fördermittel - Lohn und Projektfinanzierung - werden maximal für drei Jahre garantiert.
Um die Forschung für Frauen attraktiver zu machen, vergibt der SNSF jährlich eine begrenzte Anzahl an Marie Heim-Vögtlin Beiträgen für sehr gut qualifizierte Doktorandinnen und Postdoktorandinnen, welche ihre Forschungstätigkeit aus persönlichen Gründen unterbrechen mussten. Dank der Marie Heim-Vögtlin Beiträge sollen die Bewerberinnen bei ihrer Rückkehr in die Forschung unterstützt werden.
Zusätzlich unterstützt der SNF mit dem Förderinstrument "International Short Visits" Kurzaufenthalte an Gastinstituten, um die internationale Forschungszusammenarbeit zu ermöglichen und zu verfestigen. Dabei werden Kurzaufenthalte von Schweizer Forschenden im Ausland, respektive von ausländischen Forschenden in der Schweiz finanziert. Bewerbungen für "International Short Visits" können jederzeit eingereicht werden, allerdings mindestens zwei Monate bevor der Kurzaufenthalt beginnen soll.
Der SNF hat Vereinbarungen für Austauschprogramme für eine internationale Zusammenarbeit mit Italien, China, Südkorea und Japan erstellt. Im Rahmen dieser Vereinbarungen können Schweizer Forschende bis zu 12 Monate lang an einer der Institutionen der Vertragspartner arbeiten, oder eine Schweizer Institution kann während maximal 12 Monaten einen ausländischen Gast aufnehmen. Ausländische Forschende erhalten weitere Informationen bei den SNF Partnerorganisationen im jeweiligen Land.
Vereinbarungen über Zusammenarbeit bestehen mit den folgenden Organisationen und Ländern:
- Italien – Consiglio Nazionale delle Ricerche (CNR) – Kurzaufenthalte bis 3 Monate, alle Disziplinen
- China – National Natural Science Foundation of China (NNSFC) – Zuschüsse bis 12 Monate
- Südkorea – Korean Science and Engineering Foundation (KOSEF) – Zuschüsse bis 12 Monate, Kurzaufenthalte bis 3 Monate
- Japan – Japan Society for the Promotion of Science (JSPS) – Zuschüsse bis 12 Monate, Kurzaufenthalte bis 3 Monate
Das Indo Swiss Joint Research Programme (ISJRP) lanciert gerade seine dritte Ausschreibung für Joint Research Projects von schweizerischen und indischen Forschenden. Die ausgewählten Projekte werden während maximal 36 Monaten finanziert und erhalten höchstens 250'000 Franken pro Projekt (für die schweizerische Seite).
Ein anderes Programm, das durch den SNF finanziert wird, ist das Sinergia Programm. Darin werden Netzwerke von mindestens drei bis acht Forschungsgruppen während maximal drei Jahren unterstützt. Dabei kann eine der Forschungsgruppen ausserhalb der Schweiz tätig sein. Stichtage für Bewerbungen sind jeweils der 1. März und der 1. Oktober.
Bitte konsultieren Sie diese Seite für die aktuellen Aufrufe und Einagbefristen beim SNF.
Kommission für Technologie und Innovation (KTI)
Die Kommission für Technologie und Innovation (KTI) hat sich zum Ziel gesetzt das Labor mit dem Markt zu verbinden. Die KTI fördert deshalb Projekte in der angewandten Forschung und Entwicklung, die gemeinsam von den akademischen Wissenschaften und der Privatwirtschaft betrieben werden. Die Wissenschaftsseite erhält jedes Jahr Zuschüsse in Form von Löhnen für rund 1000 Forschende. Der Wirtschaftspartner muss seine Ausgaben selbst decken. Diese müssen mindesten 50% der Projektkosten betragen. Zwischen 2004 und 2007 sprach die KTI knapp 270 Millionen Euro Fördergelder.
Die KTI hat einige Initiativen und Programme laufen für Forschungsprojekte eigener Wahl. Für die finanzielle Unterstützung der meisten dieser Projekte ist es massgebend, dass eine Kooperation zwischen der Privatwirtschaft und den Forschungsinstituten stattfindet. Nebst den regulären Projekten, spricht die KTI auch Mittel für so genannte ”Discovery Projects”. Das sind Projekte, die zwar ein hohes Risiko in sich tragen, gleichzeitig aber auch ein grosses Potential, marktfähige Produkte hervor zu bringen.
Forschungsteams oder Forschungsgemeinschaften können die Projektbeschreibungen jederzeit einschicken - die Projektevaluationen werden regelmässig durchgeführt. Die Bewerbungen sollten allerdings spätestens zwei Wochen vor einer Evaluation bei der KTI eintreffen.
Weitere Finanzierungsquellen für PflanzenwissenschaftlerInnen
Agroscope unterhält drei Forschungsprogramme, welche mehrere Disziplinen miteinander vernetzen: ProfiCrops, NutriScope und AgriMontana. Obwohl sich diese Forschungsprogramme hauptsächlich an die Mitarbeitenden von Agroscope richten, können auch internationale Partner mit eingebunden werden. Für weitere Details kontaktieren Sie bitte die jeweilige Forschungskoordination.
Die meisten Schweizer Universitäten bieten Doktoratsprogramme an, welche offen sind für Studierende aller Nationalitäten. Ein Programm, das sich ganz speziell nach den Pflanzenwissenschaften ausrichtet, ist das Doktoratsprogramm in Pflanzenwissenschaften des Zurich-Basel Plant Science Center. Dieses Programm lässt die Studierenden zwischen mehr als 40 Kursen wählen, welche sowohl wissenschaftliche Fähigkeiten fördern, aber auch übergreifende Kompetenzen weiterentwickeln.
Das Zurich-Basel Plant Science Center bietet ausserdem ein spezialisiertes Doktoratsprogramm in Plant Sciences and Policy an. Dieser Kurs steht allen talentierten jungen Forschenden offen, die gerne ausgezeichnete Forschung in den Pflanzenwissenschaften betreiben wollen und gleichzeitig bereit sind, Verantwortung an der Schnittstelle von Wissenschaft, Politik und Öffentlichkeit zu übernehmen.
Beide Programme sind für Studierenden aller Nationalitäten offen. Es gibt zwei Bewerbungstermine pro Jahr, jeweils am 1. Juli und am 1. Dezember. Bewerbungen bitte online einsenden.
Die Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) unterstützt die Forschung im landwirtschaftlichen Bereich, welche sich auf Länder in Afrika, Asien und Lateinamerika konzentriert.
Die DEZA engagiert sich zum Beispiel stark für das Projekt ERA-Net ARD (Agricultural research for development), das sich für Forschungszusammenarbeit in Europa zugunsten von Entwicklungsländern einsetzt. Auch das Research Fellow Partnership Programme for Agriculture, Forestry and Natural Resources wird von der DEZA unterstützt. Dieses Programm finanziert Doktorierende und Postdoktorierende in landwirtschaftlichen Forschungsprojekten. Diese Forschungsprojekte werden in Zusammenarbeit mit der Beratungsgruppe für Internationale Agrarforschung (CGIAR) oder einem gleichwertigen Partner sowie einer Schweizer Forschungsinstitution durchgeführt. Bewerbungstermine sind der 31. März und der 30. September.
Das Schweizer Staatssekretariat für Bildung und Forschung (SBF) setzt seinen Fokus auf die internationale Forschungszusammenarbeit. Besonders wichtig ist dem SBF, Langzeit-Forschungspartnerschaften zwischen verschiedenen Ländern zu ermöglichen. Deshalb unterzeichnete das SBF bilaterale Verträge für Forschungsprogramme mit Partnerorganisationen in China, Indien, Russland und Südafrika. Diese internationalen Programme stellen die finanziellen Mittel für gemeinsame Forschungsprojekte, Partnerschaften auf Institutsebene oder Austauschmöglichkeiten für Mitarbeitende oder Studierende. Weitere Informationen erhalten Sie auf den Internetseiten der jeweiligen Programme.

